MioTalent Blog

Warum Ihre Stelle zehn Monate offen bleibt

Teilen Sie diesen Post
Heller Besprechungsraum mit dem Label „Marktdaten“ und der Aufschrift „Zehn Monate – so lange bleibt Ihre Stelle unbesetzt“, MioTalent Blue Recruitment
Mit KI erstellt. Die Rangliste reicht von 301 Tagen im Ausbau- und Trockenbau bis zu 259 Tagen im Bereich Körperpflege. Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit ermittelt, wie lange eine gemeldete Stelle im Durchschnitt unbesetzt bleibt. Für den Zeitraum von April 2025 bis März 2026 liegen die Zahlen vor. Sie sind unbequem, und sie sind eindeutiger, als die meisten Unternehmen vermuten.

Die Rangliste

# Beruf Laufzeit der Stellenausschreibung
1 Ausbau und Trockenbau 301 Tage
2 Leder- und Pelzherstellung sowie -verarbeitung 296 Tage
3 Klempnerei, Sanitär, Heizung, Klima 296 Tage
4 Verlegung des Bodenbelags 290 Tage
5 Naturstein-, Mineral- und Baustoffherstellung 289 Tage
6 Hochbau 285 Tage
7 Bergbau, Tagebau und Sprengtechnik 283 Tage
8 Fahr- und Sportunterricht an außerschulischen Bildungseinrichtungen 275 Tage
9 Bedienung von Bau- und Transportgeräten 274 Tage
10 Tierhaltung 272 Tage
11 Nichtärztliche Therapie und Heilkunde 268 Tage
12 Metallbau und Schweißtechnik 263 Tage
13 Holzbearbeitung und -verarbeitung 260 Tage
14 Steuerberatung 260 Tage
15 Körperpflege 259 Tage

Zum Vergleich: Über alle Qualifikationsstufen hinweg beträgt die durchschnittliche Besetzungsdauer in Deutschland 165 Tage. Bei Stellen auf Fachkräfteebene sind es 183 Tage. Jeder Beruf in dieser Liste liegt somit mindestens 41 Prozent über dem Durchschnitt für Fachkräfte, der Spitzenreiter sogar 64 Prozent darüber.

Was auffällt: Das Gebäude dominiert die Spitze

Sechs der fünfzehn Plätze entfallen auf Bau- und Ausbauberufe: Ausbau und Trockenbau, Klempnerei und Sanitär, Bodenverlegung, Baustoffherstellung, Hochbau sowie das Führen von Bau- und Transportgeräten. Zählt man den Metallbau mit Schweißtechnik sowie die Holzbearbeitung und -verarbeitung als baubezogene Handwerksberufe hinzu, sind es acht von fünfzehn.

Vier der ersten sechs Plätze entfallen auf den Bausektor. Das ist kein statistisches Rauschen, sondern ein Muster.

Wenn Sie ein Bauunternehmen leiten, steht Ihr Beruf also nicht irgendwo in der Liste – er gehört zur Spitzengruppe. Und das bedeutet: Die Vorstellung, man müsse lediglich die Stellenanzeige verbessern oder etwas mehr zahlen, geht am Kern des Problems vorbei. Sie konkurrieren nicht um einen der wenigen Bewerber, sondern Sie konkurrieren in dem Berufsfeld mit der geringsten Verfügbarkeit im ganzen Land.

Was die Vakanzzeit eigentlich misst

Damit die Zahlen richtig interpretiert werden können, hier ein kurzer Überblick über die Methodik.

Die Vakanzzeit misst den Zeitraum vom gewünschten Besetzungstermin bis zu dem Zeitpunkt, zu dem der Arbeitgeber die Stelle bei der Bundesagentur wieder abmeldet. Sie beginnt also nicht mit der Schaltung der Anzeige, sondern mit dem Termin, zu dem Sie die Person benötigt hätten. Und sie endet nicht mit dem Arbeitsbeginn, sondern mit der Abmeldung.

Beides führt eher zu einer Verzerrung nach unten als nach oben. Wer eine Stelle aus Frustration abmeldet, ohne sie besetzt zu haben, verkürzt die Statistik. Wer den gewünschten Besetzungstermin realistisch spät ansetzt, tut dies ebenfalls. Die tatsächliche Wartezeit dürfte in vielen Unternehmen über dem statistischen Wert liegen, nicht darunter.

Die Vakanzzeit ist zudem nur einer von sechs Indikatoren, anhand derer die Bundesagentur jährlich ermittelt, ob ein Beruf als Engpassberuf gilt. Für das Jahr 2024 hat sie bundesweit 163 Engpassberufe ermittelt. Diese Liste hier zeigt also nicht alle Engpassberufe, sondern die fünfzehn mit der längsten Besetzungsdauer.

Die zweite Zahl, die alles erklärt

Die Rangliste zeigt, wo der Schuh drückt. Die eigentliche Ursache liegt in einer anderen Statistik derselben Behörde.

Im Jahresdurchschnitt 2024 waren rund 439.000 sozialversicherungspflichtige Stellen für Fachkräfte, Spezialisten und Experten gemeldet. Knapp die Hälfte davon entfiel auf Mangelberufe. Von den als arbeitslos gemeldeten Fachkräften suchte jedoch nur ein Viertel eine Beschäftigung in genau diesen Berufen.

Lesen Sie das noch einmal. Die verfügbaren Arbeitskräfte und die offenen Stellen passen beruflich nicht zusammen. Es handelt sich nicht um einen Mangel an Arbeitskräften, sondern um einen Mangel an Arbeitskräften mit der passenden Qualifikation am passenden Ort.

Daraus ergibt sich eine unangenehme Konsequenz: Eine steigende Arbeitslosenzahl entlastet Sie nicht. Sie führt zu einer höheren Zahl von Bewerbungen, die nicht Ihren Anforderungen entsprechen. Wer im Aus- und Trockenbau nach Fachkräften sucht, findet nicht plötzlich mehr Trockenbauer, nur weil die Arbeitslosenquote steigt.

Die Überraschungen in der Liste

Drei Berufe verdienen einen genaueren Blick, da sie zeigen, dass Personalengpässe nicht nur körperlich anstrengende Berufe betreffen.

Steuerberatung, Platz 14 mit 260 Tagen. Ein akademisch geprägter, gut bezahlter Bürojob mit klaren Karriereperspektiven – und dennoch eine Besetzungsdauer von fast neun Monaten. Wer glaubt, Personalengpässe seien ein Problem schlecht bezahlter oder unattraktiver Tätigkeiten, findet hier das Gegenbeispiel.

Nichtärztliche Therapie und Heilkunde, Platz 11 mit 268 Tagen. Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie. Hier kommt zusätzlich die gesetzliche Regelung zum Tragen: Ohne Anerkennung darf keine Behandlung erfolgen, was den internationalen Weg erheblich verlängert.

Leder- und Pelzverarbeitung, Platz 2 mit 296 Tagen. Ein kleines Berufsfeld, in dem die Ausbildungszahlen über Jahre hinweg zurückgegangen sind. Wenn ein Beruf so klein wird, dass ihn kaum noch jemand erlernt, entsteht ein Engpass nicht durch die Nachfrage, sondern durch den Rückgang des Angebots.

Was dies für Ihre Planung bedeutet

Drei Konsequenzen, die sich unmittelbar aus den Zahlen ergeben.

Erstens: Rechnen Sie rückwärts, nicht vorwärts. Wenn Ihr Beruf in dieser Liste aufgeführt ist, benötigen Sie zwischen achteinhalb und zehn Monaten. Eine Stelle, die im Januar besetzt werden soll, muss bereits im Frühjahr des Vorjahres in die Planung aufgenommen werden. Wer erst mit der Suche beginnt, wenn die Kündigung bereits vorliegt, ist strukturell gesehen zu spät dran.

Zweitens: Trennen Sie regulierte von nicht regulierten Positionen. In therapeutischen Berufen und in bestimmten Bereichen des Handwerks benötigen Sie eine Anerkennung, was den gesamten Prozess in die Länge zieht. Bei Hilfstätigkeiten und Anlerntätigkeiten auf dem Bau benötigen Sie diese hingegen nicht. Diese Unterscheidung entscheidet über Monate und wird in der Praxis regelmäßig übersehen.

Drittens: Bewerten Sie Ihre Kanäle anhand des Suchraums, nicht anhand des Aufwands. Wenn im Inland ein Viertel der arbeitslosen Fachkräfte in Ihrem Berufsfeld auf der Suche ist, dann liegt Ihr Problem nicht in der Reichweite Ihrer Anzeige. Ein höheres Budget auf denselben Portalen vergrößert den Suchraum nicht.

Und dazu kommt noch die regionale Ebene

Die Berufsliste stellt nur die eine Hälfte dar. Die Bundesagentur für Arbeit gibt die Dauer der Stellenbesetzung auch nach Bundesländern an, und die Unterschiede sind dort beträchtlich.

  • Rheinland-Pfalz: 206 Tage
  • Brandenburg: 186 Tage
  • Sachsen-Anhalt: 177 Tage
  • Deutschland insgesamt: 165 Tage
  • Berlin: 134 Tage

Diese beiden Effekte verstärken sich gegenseitig. Ein Trockenbauunternehmen im ländlichen Rheinland-Pfalz sucht in dem Beruf mit der längsten Besetzungsdauer und gleichzeitig in einem der Bundesländer mit der längsten Besetzungsdauer. Ein Berliner Betrieb derselben Branche hat es messbar leichter, obwohl er dieselbe Stellenanzeige schaltet und denselben Lohn zahlt.

Für die Personalplanung bedeutet dies: Der Bundesdurchschnitt ist für Sie als Planungsgröße nur dann brauchbar, wenn Sie zufällig genau im Durchschnitt liegen. Andernfalls benötigen Sie Ihre eigene Kombination aus Beruf und Region, und diese liegt für viele Betriebe außerhalb der Ballungsräume über der 300-Tage-Marke.

Interessant ist dabei, dass sich dieses Verhältnis bei der internationalen Personalbeschaffung umkehrt. Für jemanden, der ohnehin das Land wechselt, ist der Unterschied zwischen Großstadt und Umland deutlich weniger relevant als für eine Fachkraft, die in Deutschland bereits eine Wohnung, eine Familie und einen Freundeskreis hat. Unternehmen in strukturschwachen Regionen profitieren dadurch relativ gesehen stärker als Unternehmen in Ballungsräumen. Voraussetzung ist allerdings, dass Unterkunft und Verkehrsanbindung tatsächlich organisiert sind.

Wo internationale Personalbeschaffung funktioniert und wo nicht

Wir vermarkten die internationale Personalbeschaffung nicht als Allheilmittel, denn das ist sie nicht.

Sie gilt in Fällen, in denen die Tätigkeit keine formale deutsche Anerkennung erfordert. Im Rahmen der Westbalkanregelung gemäß § 26 Absatz 2 der Beschäftigungsverordnung können Arbeitskräfte aus sechs Staaten für jede Beschäftigung zugelassen werden, unabhängig von ihrer Qualifikation. Voraussetzung sind ein konkretes Stellenangebot und die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit. Für den Ausbau und Trockenbau, die Verlegung von Bodenbelägen, die Bedienung von Bau- und Transportgeräten, die Reinigung sowie die Logistik ist dies der praktikable Weg.

Sie funktioniert weniger gut in Bereichen, in denen die Berufsausübung reglementiert ist. In der Therapie, in der Pflege und in Teilen des Handwerks muss die Qualifikation zunächst anerkannt werden – und weniger als die Hälfte dieser Verfahren führt zu einer direkten vollständigen Gleichwertigkeit. Wie sich dies in Zahlen niederschlägt, haben wir hier festgehalten: Anerkennungsstatistik 2024.

Und in der Steuerberatung spielt sie überhaupt keine Rolle. Niemand lernt das deutsche Steuerrecht nebenbei im Ausland. Manche Engpässe lassen sich nicht durch Zuwanderung beheben, sondern nur durch Ausbildung und Bindung. Das gehört zu einer ehrlichen Antwort dazu.

Die Angaben in diesem Beitrag dienen der Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung.

Wenn Ihr Beruf in dieser Liste aufgeführt ist: Kostenlose Erstberatung – wir rufen Sie zurück.

Weiterlesen

Quellen

  • Bundesagentur für Arbeit: Engpassberufe – Berufe mit den längsten Besetzungsdauern von Stellen in Deutschland, April 2025 bis März 2026.
  • Bundesagentur für Arbeit: Analyse des Fachkräftemangels.
  • Bundesagentur für Arbeit: Engpassanalyse – Methodik und Indikatoren.
  • Bundesagentur für Arbeit: Qualifizierte Fachkräfte weiterhin gefragt. Pressemitteilung Nr. 25, 2025.
  • Bundesagentur für Arbeit: Vakanzdauer von Stellen nach Qualifikationsniveau und nach Bundesländern, April 2025 bis März 2026.
Kostenlose Erstberatung

Personalanfrage – Express