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Internationale Pflegekräfte sind längst Normalität

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Pflegekraft geht durch einen hellen Klinikflur, dazu die Aufschrift 18 Prozent, so viele Pflegekräfte kommen aus dem Ausland, MioTalent Blue Recruitment
Mit KI erstellt. In der Pflege liegt der Ausländeranteil bei 18 Prozent, über dem Durchschnitt aller Branchen von 16 Prozent. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Juni 2024

Es gibt eine Zahl, die die Debatte über internationale Rekrutierung in der Pflege verändert, sobald man sie kennt. Sie lautet 18 Prozent, und sie beschreibt keinen Zukunftsplan, sondern den Ist-Zustand.

18 gegen 16

Die Bundesagentur für Arbeit weist für Juni 2024 aus: Der Ausländeranteil unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Pflege liegt bei 18 Prozent. Über alle Branchen hinweg sind es 16 Prozent.

Die Pflege liegt also nicht hinter dem Durchschnitt, sondern darüber. Fast jede fünfte Pflegekraft in Deutschland hat keinen deutschen Pass.

Für die Diskussion in vielen Einrichtungen ist das eine unbequeme Zahl. Sie beendet nämlich die Vorstellung, internationale Rekrutierung sei ein Sonderweg für Betriebe, die anders nicht mehr weiterkommen. Sie ist der Normalfall. Wer sie noch nicht geht, ist nicht vorsichtig, sondern spät dran.

Die zweite Zahl bestätigt das aus einer anderen Richtung. Bei den Anerkennungen ausländischer Berufsqualifikationen führt die Pflegefachkraft mit 21.699 positiven Bescheiden im Jahr 2024 die Liste aller Berufe an. Auf Platz zwei folgt der Arztberuf mit 11.000, auf Platz drei der Ingenieur mit 4.400. Rund 75 Prozent aller Anerkennungsanträge entfielen auf Gesundheitsberufe.

Was das für Ihre Einrichtung bedeutet

Hier kommt die unangenehme Folgerung, und sie richtet sich gegen ein Verkaufsargument, das unsere eigene Branche gern benutzt.

Der Zugang zu internationalen Pflegekräften ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Wenn 18 Prozent der Beschäftigten bereits aus dem Ausland kommen und die Pflegefachkraft der meistanerkannte Beruf des Landes ist, dann konkurrieren Sie nicht mit Einrichtungen, die diesen Weg nicht kennen. Sie konkurrieren mit Einrichtungen, die ihn seit Jahren gehen.

Damit verschiebt sich die entscheidende Frage. Sie lautet nicht mehr: Wie komme ich an internationale Pflegekräfte? Sondern: Warum sollte eine internationale Pflegekraft zu mir kommen und nicht zur Einrichtung zwei Straßen weiter, die dasselbe Gehalt zahlt?

Die Antwort darauf hat wenig mit Rekrutierung zu tun und viel mit dem, was danach passiert.

Wo der Wettbewerb tatsächlich entschieden wird

Drei Felder, in denen sich Einrichtungen unterscheiden — und keines davon ist der Zugang.

Vorbereitung. Wie gut ist die Person auf Deutschland vorbereitet, bevor sie einreist? Sprachniveau, Erwartung an die Tätigkeit, Kenntnis des Systems. Die Befragung der Bertelsmann Stiftung unter 501 Unternehmen, die bereits international rekrutiert haben, nennt an dritter Stelle der aufgetretenen Probleme falsche Vorstellungen der Bewerber mit 31,1 Prozent. Das ist ein Vorbereitungsproblem, kein Rekrutierungsproblem.

Ankunft. Wohnung, Anmeldung, Konto, Behördentermine. Wer eine Pflegekraft nach Deutschland holt und diese Schritte nicht organisiert, verliert sie oft nicht an den Wettbewerb, sondern zurück ins Herkunftsland. In Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt entscheidet das Thema Unterkunft häufiger über den Erfolg als das Gehalt.

Anerkennungsbegleitung. Von rund 66.900 beschiedenen Verfahren im Jahr 2024 endeten nur 43 Prozent mit einer direkten vollen Anerkennung. 45 Prozent wurden mit einer Auflage beschieden, es folgt also eine Ausgleichsmaßnahme. Für die betroffene Pflegekraft heißt das: zusätzlicher Lehrgang oder Kenntnisprüfung neben der Arbeit. Einrichtungen, die das aktiv begleiten — mit Freistellung, mit Lernzeit, mit Ansprechpartner — binden diese Menschen. Einrichtungen, die es als Privatproblem behandeln, verlieren sie an die, die es nicht tun.

Woher die Anerkannten kommen

Ein Blick auf die Herkunft, weil er die Planung beeinflusst.

87 Prozent der Antragstellenden mit positivem Anerkennungsbescheid haben ihre Qualifikation außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums erworben. An der Spitze der Ausbildungsstaaten steht die Türkei mit 9.200 Anerkennungen über alle Berufe hinweg. Auf Platz zwei folgt die Ukraine, die im Jahr zuvor noch auf Rang sieben lag.

Ein Land, das binnen eines Jahres von Platz sieben auf Platz zwei springt, ist ein Warnsignal für jede Mehrjahresplanung. Herkunftsregionen verschieben sich schnell, und zwar aus Gründen, die niemand von uns beeinflusst — politische Lage, Wechselkurse, Konkurrenz durch andere Zielländer. Wer seine gesamte Personalstrategie auf ein einzelnes Herkunftsland stützt, baut auf einer Größe, die sich jährlich ändert.

Für Ihre Einrichtung heißt das nicht, dass Sie mit fünf Ländern gleichzeitig arbeiten müssen. Es heißt, dass Sie wissen sollten, welches Land Ihre Vermittlung bedient und was passiert, wenn dieser Kanal wegfällt. Diese Frage stellt sich vor der Zusammenarbeit leichter als danach.

Der Vorteil, den kaum jemand nutzt

Wenn der Wettbewerb um fertige Pflegefachkräfte am härtesten ist, lohnt der Blick auf das Feld, in dem kaum jemand konkurriert.

Die Bertelsmann Stiftung hat 2024 gemeinsam mit Civey 7.501 Unternehmen ab zehn Mitarbeitenden gefragt, welche Instrumente sie gegen Fachkräfteengpässe einsetzen. Eigene Ausbildung nennen 50,8 Prozent. Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland nennen 18,4 Prozent. Auszubildende aus dem Ausland nennen 5,3 Prozent — der letzte Platz.

Fünf Komma drei Prozent. Während alle um dieselben 21.699 anerkannten Pflegefachkräfte konkurrieren, bewegt sich in diesem Feld fast niemand.

Der Ausbildungsweg nach § 16a des Aufenthaltsgesetzes braucht kein Anerkennungsverfahren, weil die Qualifikation in Deutschland entsteht. Er dauert drei Jahre. Er kostet Ausbildungskapazität. Und er liefert am Ende eine Fachkraft, die die Sprache im Betrieb gelernt hat, deren Abschluss nie geprüft werden muss und deren berufliches Netzwerk bei Ihnen liegt.

Wenn Sie die Bindungsquote gegenrechnen, sieht die Kalkulation anders aus als beim ersten Blick auf die drei Jahre.

Die Zahl, die die Dringlichkeit setzt

Zum Schluss noch die Größenordnung, in der sich das alles bewegt.

Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet gemeinsam mit dem Statistischen Bundesamt für das Basisszenario mittlerer Zuwanderung: Die Zahl der beruflich Qualifizierten in Deutschland sinkt von 31,6 Millionen im Jahr 2020 auf 23,3 Millionen im Jahr 2040. Die Zahl der Akademiker steigt im selben Zeitraum von 12,0 auf 14,8 Millionen. Unter dem Strich schrumpft das Fachkräfteangebot von 43,5 auf 38,0 Millionen.

Beruflich Qualifizierte sind genau die Gruppe, aus der Pflegefachkräfte kommen. Sie ist es, die um 8,3 Millionen schrumpft, während die akademische Gruppe wächst.

Das ist keine Prognose über einen möglichen Engpass. Es ist eine demografische Rechnung, deren Ausgangsgrößen bereits geboren sind. Die Menschen, die 2040 in Rente gehen, arbeiten heute. Die Menschen, die sie ersetzen sollen, sind heute in der Schule — und es sind zu wenige.

Für Einrichtungen heißt das: Der Wettbewerb um Pflegekräfte wird nicht abnehmen. Wer heute mit 18 Prozent Ausländeranteil arbeitet, wird in zehn Jahren mit einem höheren arbeiten. Die Frage ist nicht, ob internationale Rekrutierung Teil Ihrer Personalstrategie wird, sondern ob Sie den Aufbau in einer Phase machen, in der Sie planen können, oder in einer, in der Sie müssen.

Was Bewerberinnen tatsächlich vergleichen

Wenn der Zugang kein Vorteil mehr ist, lohnt der Perspektivwechsel: Wonach entscheidet eine Pflegekraft aus dem Ausland, zu welcher Einrichtung sie geht?

Nach unserer Erfahrung nicht primär nach dem Gehalt. Die Unterschiede zwischen tarifgebundenen Einrichtungen sind für jemanden, der aus einem Land mit deutlich niedrigerem Lohnniveau kommt, weniger entscheidend als drei andere Faktoren.

Die Unterkunft. Wer aus dem Ausland kommt, hat keinen Vermieter, der ihn kennt, keine Schufa-Historie und oft keine drei Monatsmieten Kaution auf dem Konto. Eine Einrichtung, die eine Wohnung stellt oder vermittelt, ist gegenüber einer, die das nicht tut, im Vorteil — unabhängig vom Gehalt. In Ballungsräumen gilt das doppelt.

Die Perspektive bei der Anerkennung. Wer mit einer Auflage einreist, will wissen, wie er die Ausgleichsmaßnahme schafft. Eine Einrichtung, die Lernzeit einräumt, Prüfungstage freistellt und die Kosten übernimmt, macht den Unterschied zwischen einem Abschluss in einem Jahr und einem in drei.

Der erste Ansprechpartner. Nicht die Personalabteilung, sondern die Person im Team, die in den ersten Wochen erklärt, wie es läuft. Das ist in jeder Einrichtung vorhanden, wird aber selten benannt — und genau das Benennen macht den Unterschied.

Keiner dieser drei Punkte kostet nennenswert Geld. Alle drei kosten Organisation. Das ist die eigentliche Nachricht dieser Zahlen: In einem Markt, in dem alle Zugang haben, gewinnt nicht der mit dem größeren Budget, sondern der mit der besseren Struktur.

Was das für die Planung heißt

Drei praktische Schlüsse.

Erstens: Hören Sie auf, den Zugang als Vorteil zu verkaufen. Weder intern noch gegenüber Kandidatinnen. In einem Feld mit 18 Prozent Ausländeranteil ist das kein Argument, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Zweitens: Investieren Sie dort, wo der Wettbewerb entschieden wird. Vorbereitung, Ankunft, Anerkennungsbegleitung. Das sind keine Nebenkosten der Rekrutierung, das ist die Rekrutierung.

Drittens: Prüfen Sie den Ausbildungsweg, bevor Sie ihn verwerfen. Nicht für jede Stelle, aber für einen Teil Ihres Bedarfs. Ein Feld, in das sich 5,3 Prozent der Unternehmen bewegen, ist selten überlaufen.

Und ein Punkt, der zur ehrlichen Antwort gehört: Internationale Rekrutierung löst den Personalmangel in der Pflege nicht. Sie verschafft Ihnen Zugang zu einem größeren Bewerberkreis, mehr nicht. Wenn die Arbeitsbedingungen dazu führen, dass Menschen nach zwei Jahren gehen, ändert eine ausländische Herkunft daran nichts. Die Fluktuation folgt denselben Regeln.

Die Angaben in diesem Beitrag dienen der Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung.

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Quellen

  • Bundesagentur für Arbeit: Ausländeranteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Pflege, Juni 2024.
  • Statistisches Bundesamt: Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen 2024, häufigste anerkannte Qualifikationen.
  • Statistisches Bundesamt: 21 % mehr Anerkennungen ausländischer Berufsabschlüsse im Jahr 2024. Pressemitteilung Nr. 321, 2025.
  • Bertelsmann Stiftung / Civey: Instrumente gegen Fachkräfteengpässe, Befragung 08.06. bis 06.09.2024, 7.501 Befragte.
  • Bertelsmann Stiftung / Civey: Probleme bei der Beschäftigung ausländischer Fachkräfte, 501 Befragte.
  • IW Köln / Statistisches Bundesamt: Prognose des Fachkräfteangebots bis 2040, Basisszenario mittlere Zuwanderung.
  • Bundesministerium der Justiz: § 16a AufenthG. https://www.gesetze-im-internet.de/aufenthg_2004/__16a.html (abgerufen 03.08.2026)
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