Sie suchen in Koblenz. Ihr Wettbewerber sucht in Berlin. Gleiche Stelle, gleiches Anforderungsniveau, gleiche Anzeige. Und trotzdem steht Ihre Position im Schnitt zweieinhalb Monate länger offen. Das ist kein Gefühl, sondern eine Zahl der Bundesagentur für Arbeit — und sie verändert die Personalplanung mehr als die meisten Betriebe annehmen.
206 Tage in Rheinland-Pfalz, 134 in Berlin
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) misst die Vakanzzeit als Dauer zwischen dem gewünschten Besetzungstermin und dem Tag, an dem eine gemeldete Stelle wieder abgemeldet wird. Für den Zeitraum April 2025 bis März 2026 ergibt sich nach Bundesländern folgendes Bild:
| Bundesland | Vakanzzeit |
|---|---|
| Rheinland-Pfalz | 206 Tage |
| Brandenburg | 186 Tage |
| Sachsen-Anhalt | 177 Tage |
| Bayern | 173 Tage |
| Nordrhein-Westfalen | 171 Tage |
| Sachsen | 167 Tage |
| Niedersachsen | 166 Tage |
| Mecklenburg-Vorpommern | 165 Tage |
| Deutschland gesamt | 165 Tage |
| Saarland | 164 Tage |
| Hamburg | 161 Tage |
| Hessen | 156 Tage |
| Bremen | 151 Tage |
| Thüringen | 149 Tage |
| Schleswig-Holstein | 147 Tage |
| Baden-Württemberg | 142 Tage |
| Berlin | 134 Tage |
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, April 2025 bis März 2026.
Zwischen dem ersten und dem letzten Platz liegen 72 Tage. Das sind rund zweieinhalb Monate — bei identischer Stelle, allein durch den Standort. Wer bundesweit mit dem Durchschnitt von 165 Tagen plant, plant in Rheinland-Pfalz um sechs Wochen zu knapp und in Berlin um einen Monat zu großzügig.
Der Ost-West-Reflex führt in die Irre
Die naheliegende Erklärung wäre ein Ost-West-Gefälle. Die Daten geben das nicht her. Westdeutschland liegt bei 165 Tagen, Ostdeutschland bei 163 Tagen — zwei Tage Unterschied, praktisch identisch (BA, April 2025 bis März 2026).
Die Spreizung verläuft quer durch beide Landesteile. Brandenburg steht mit 186 Tagen auf Platz zwei der längsten Vakanzzeiten. Berlin steht mit 134 Tagen auf dem letzten Platz — dem besten. Zwischen beiden liegen 52 Tage, und zwischen ihnen liegt nur eine Landesgrenze, die man auf vielen Strecken mit der S-Bahn überquert.
Genauso im Westen: Rheinland-Pfalz führt die Liste mit 206 Tagen an, Baden-Württemberg liegt mit 142 Tagen im unteren Drittel. Beides Flächenländer, beide westdeutsch, 64 Tage auseinander.
Auffällig ist auch, wo die Stadtstaaten stehen. Berlin liegt mit 134 Tagen am unteren Ende, Bremen mit 151 und Hamburg mit 161 Tagen ebenfalls unter dem Bundeswert. Alle drei sind dichte Arbeitsmärkte auf kleiner Fläche. Die Flächenländer an der Spitze — Rheinland-Pfalz, Brandenburg, Sachsen-Anhalt — sind das Gegenteil.
Was die Zahlen also zeigen, ist kein Himmelsrichtungsproblem. Es ist ein Dichteproblem: Wo viele Betriebe und viele Erwerbstätige auf engem Raum sitzen, finden sich Stellen und Bewerber schneller. Wo Betriebe verstreut liegen und der Arbeitsweg zur Hürde wird, dauert es länger. Die BA weist diese Ursachen nicht aus — die Zuordnung bleibt eine Interpretation, keine gemessene Größe. Belegt ist nur der Befund: Die Spreizung folgt der Siedlungsdichte deutlich besser als der Himmelsrichtung.
Für Betriebe in Berlin und Brandenburg heißt das etwas Konkretes
Ein Berliner Betrieb rechnet mit rund 134 Tagen. Ein Betrieb im Brandenburger Umland rechnet mit 186. Beide konkurrieren teilweise um dieselben Menschen, beide zahlen oft ähnliche Löhne — und der Betrieb im Umland braucht trotzdem knapp zwei Monate länger.
Diese 52 Tage sind der Punkt, an dem sich internationale Rekrutierung im ländlichen Raum anders rechnet als in der Stadt. Nicht weil das Verfahren dort schneller wäre — es dauert überall gleich lang. Sondern weil der Vergleichsmaßstab ein anderer ist: Gegen 134 Tage lokale Suche wirkt ein viermonatiger internationaler Weg lang. Gegen 186 Tage wirkt er wie eine Alternative auf Augenhöhe.
Das gilt nicht nur für Berlin und Brandenburg. Dieselbe Logik greift überall dort, wo ein Betrieb im Einzugsgebiet einer größeren Stadt sitzt, ohne selbst in ihr zu liegen: Der Arbeitsmarkt der Stadt zieht die verfügbaren Kräfte ab, die eigene Suche läuft aber gegen den höheren Landeswert. Für die Personalplanung ist das der ungünstigste Fall, den die Regionalstatistik kennt — und er trifft überproportional Betriebe in Reinigung, Logistik, Bau und Ausbau, deren Standorte selten in Innenstadtlage sind.
Ein zweiter Punkt kommt hinzu: Vakanzzeit ist keine feste Größe des Standorts, sondern der Wert, gegen den Ihre Alternative antritt. Wer in einem Land mit 186 Tagen sitzt und den internationalen Weg mit 120 Tagen dagegenrechnet, verkürzt seine Besetzungsdauer rechnerisch um zwei Monate — vorausgesetzt, er startet früh genug.
Was die Vakanzzeit misst — und was nicht
Bevor Sie mit diesen Zahlen planen, sollten Sie wissen, was sie abbilden.
Gemessen wird die Zeit zwischen dem vom Betrieb gewünschten Besetzungstermin und der Abmeldung der Stelle bei der BA. Der Zähler startet also nicht mit dem Entschluss, jemanden einzustellen, sondern mit dem Termin, zu dem die Person eigentlich da sein sollte.
Erfasst werden nur gemeldete Stellen. Positionen, die ein Betrieb ausschließlich über die eigene Webseite, über Portale oder über Empfehlungen besetzt, tauchen in der Statistik nicht auf. Der reale Engpass kann also größer sein, als die Zahl vermuten lässt.
Nicht erfasst wird der Abbruch. Wird eine Stelle zurückgezogen, weil niemand gefunden wurde, endet die Messung ebenfalls — als Abmeldung. Eine gescheiterte Suche sieht in der Statistik aus wie eine erfolgreiche.
Es ist ein Durchschnitt. Innerhalb eines Bundeslandes streuen Branchen und Anforderungsniveaus erheblich. Der Landeswert ist ein Orientierungsrahmen für die Planung, keine Prognose für Ihre konkrete Stelle.
Region und Anforderungsniveau addieren sich
Der Standort ist nur eine von zwei Achsen. Die zweite ist das Anforderungsniveau, und beide wirken zusammen.
Nach Anforderungsniveau misst die BA im selben Zeitraum: Fachkräfte 183 Tage, alle Niveaus zusammen 165 Tage, Spezialisten 157 Tage, Helfer- und Anlerntätigkeiten 156 Tage, Experten 109 Tage (BA, April 2025 bis März 2026). Wie eng Helfer- und Spezialistenstellen dabei beieinanderliegen, haben wir in einem eigenen Beitrag aufgeschlüsselt.
Nach Berufen wird die Spanne noch größer: Aus- und Trockenbau führt die Rangliste der Engpassberufe mit 301 Tagen an (BA, gleicher Zeitraum).
Für die Praxis heißt das: Eine Fachkraftstelle in einem Bundesland mit langer Vakanzzeit ist der ungünstigste Fall, den die Statistik kennt — und genau dort sitzen viele Betriebe in Bau, Ausbau und Montage. Eine Helferstelle in einem Ballungsraum ist der günstigste. Beide Fälle mit demselben Vorlauf zu planen, geht schief.
Wie weit die beiden Enden auseinanderliegen, zeigt eine einfache Gegenüberstellung. Der Landeswert für Berlin liegt bei 134 Tagen, der für Rheinland-Pfalz bei 206 — das sind die beiden Endpunkte der Regionalachse. Auf der Niveauachse liegen Experten bei 109 und Fachkräfte bei 183 Tagen. Beide Achsen zusammen ergeben eine Bandbreite, in der ein Betrieb mit gut drei Monaten planen kann und ein anderer mit deutlich über einem halben Jahr — bei formal derselben Aufgabe, eine Stelle zu besetzen.
Wichtig dabei: Die BA weist diese beiden Auswertungen getrennt aus. Ein kombinierter Wert je Land und Anforderungsniveau ist in den hier verwendeten Quellen nicht enthalten. Wer beide Achsen addiert, rechnet mit einer Schätzung, nicht mit einer Erhebung — und sollte das im eigenen Haus auch so benennen.
Die Rechnung für Ihren Standort, in fünf Schritten
- Landeswert nachschlagen. Nehmen Sie den Wert Ihres Bundeslandes aus der Tabelle oben, nicht den Bundesdurchschnitt.
- Anforderungsniveau bestimmen. Helfer- und Anlerntätigkeit, Fachkraft, Spezialist oder Experte. Diese Einordnung entscheidet auch über den rechtlichen Weg bei internationalen Besetzungen.
- Rückwärts rechnen. Vom Termin, an dem die Person im Betrieb stehen soll, den Landeswert abziehen. Das ist Ihr spätester Startpunkt für die lokale Suche.
- Den internationalen Weg gegenrechnen. Eine internationale Besetzung dauert ab Vertrag rund vier Monate, also etwa 120 Tage. Liegt Ihr Landeswert darüber, ist der internationale Weg rechnerisch nicht der langsamere, sondern der schnellere.
- Puffer einplanen. Alle genannten Werte sind Durchschnitte. Ein Behördenverfahren kann sich verschieben, ein Botschaftstermin ebenso. Planen Sie nicht auf den Tag.
Was eine offene Stelle Ihren Betrieb pro Monat kostet, rechnet der Vakanzkostenrechner auf miotalent.de mit Ihren eigenen Zahlen durch.
Prüfen Sie danach, mit welchem Vorlauf Ihre Personalplanung derzeit arbeitet, und vergleichen Sie ihn mit dem Wert Ihres Bundeslandes. Bei den meisten Betrieben klafft dort eine Lücke von mehreren Wochen. Ordnen Sie danach jede offene Stelle einem Anforderungsniveau zu — das entscheidet über Weg und Dauer.
Wenn Sie wissen wollen, welcher Weg für Ihren Standort und Ihre konkreten Stellen trägt: Kostenlose Erstberatung — wir rufen Sie zurück, wann passt es Ihnen?
Die Angaben dienen der Orientierung und stellen keine Rechtsberatung dar.
Weiterlesen:
- Helferstellen besetzen: 156 Tage sind der Schnitt
- Warum Ihre Stelle zehn Monate offen bleibt — die BA-Rangliste der Engpassberufe
Quellen
- Bundesagentur für Arbeit: Vakanzzeit von Arbeitsstellen in den Bundesländern von Deutschland, April 2025 bis März 2026. 2026. de.statista.com (abgerufen 24.08.2026)
- Bundesagentur für Arbeit: Vakanzzeit von Arbeitsstellen nach Anforderungsniveau in Deutschland, April 2025 bis März 2026. 2026. de.statista.com (abgerufen 24.08.2026)
- Bundesagentur für Arbeit: Engpassanalyse. 2026. statistik.arbeitsagentur.de (abgerufen 24.08.2026)






