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Was eine unbesetzte Pflegefachkraft-Stelle kostet

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Pflegefachkraft macht Notizen im Stationszimmer; Bildtext: Auf 100 offene Pflegestellen kommen rechnerisch 57 Arbeitslose.
Mit KI erstellt. Examinierte Pflegefachkräfte: 20.000 gemeldete Stellen, Arbeitslosenquote 1,1 Prozent. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2025.

Sie haben die Stelle seit Monaten ausgeschrieben und fragen sich, ob Sie zu wenig bieten oder falsch suchen. Die Antwort steht in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, und sie ist unbequemer als jede Anzeigenkritik: Auf 100 gemeldete Stellen für examinierte Pflegefachkräfte kommen rechnerisch 57 Arbeitslose. Der Markt, in dem Sie suchen, kann Ihre Stelle nicht füllen — egal wie gut Sie suchen.

Der Markt in vier Zahlen

Im Jahresdurchschnitt 2025 waren bei der Bundesagentur für Arbeit rund 20.000 Stellen für examinierte Pflegefachkräfte gemeldet. Dem standen etwa 7.000 arbeitslose Pflegefachkräfte gegenüber — auf 100 gemeldete Stellen kommen damit rechnerisch 57 Arbeitslose. Die Arbeitslosenquote der examinierten Fachkräfte liegt bei 1,1 Prozent (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktsituation in Pflegeberufen, Jahresdurchschnitt 2025).

Zwei Einordnungen machen die Zahl greifbar. Erstens gilt eine Arbeitslosenquote unter drei Prozent unter Arbeitsmarktforschern als faktische Vollbeschäftigung — bei 1,1 Prozent besteht der Rest überwiegend aus kurzen Übergängen zwischen zwei Stellen. Das zeigt auch die Dauer: Arbeitslose Pflegefachkräfte beenden ihre Arbeitslosigkeit im Schnitt nach 134 Tagen (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2025). Wer verfügbar wird, ist schnell wieder weg. Zweitens ist die Lage im Helferbereich exakt umgekehrt — dort kommen auf rund 1.500 gemeldete Stellen etwa 48.000 Arbeitslose. Der Engpass sitzt ausschließlich auf der Fachkraftebene, und genau dort sitzt Ihre offene Stelle.

Was die Relation aussagt — und was nicht

Die Arbeitslosen-Stellen-Relation ist die ehrlichste Kennzahl für die Frage, ob ein Markt eine Stelle hergibt. Sie setzt die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen eines Berufs ins Verhältnis zu den gemeldeten Stellen desselben Berufs. Liegt sie unter 100, gibt es rechnerisch weniger verfügbare Menschen als offene Stellen — der Wettbewerb läuft dann nicht mehr um die Stelle, sondern um den Menschen. Bei examinierten Pflegefachkräften liegt sie bei 57 zu 100, und das im Jahresdurchschnitt, nicht in einer saisonalen Spitze (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2025).

Was die Zahl nicht aussagt: dass 57 dieser Menschen für Ihre Stelle infrage kämen. Die Statistik kennt weder Schicht- und Wohnortpräferenzen noch Fachweiterbildungen oder Teilzeitwünsche. Die tatsächlich erreichbare Auswahl für eine konkrete Stelle in einer konkreten Stadt ist kleiner als die Relation nahelegt — die 57 sind die Obergrenze des Optimismus, nicht seine Basis.

Und die Aussicht auf Entspannung? Die Ausbildungszahlen steigen zwar — 2025 begannen rund 63.900 Menschen eine Pflegeausbildung —, aber angekommen sind im selben Jahr nur rund 35.300 Absolventinnen und Absolventen (Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilungen Nr. 231/2026 und 276/2025). Der Zuwachs von heute wird frühestens in drei Jahren zur Fachkraft von morgen. Bis dahin bleibt der Markt, wie er ist.

Was die unbesetzte Stelle tatsächlich kostet

Über alle Berufe hinweg bleibt eine Fachkraftstelle im Schnitt 183 Tage unbesetzt (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, April 2025 bis März 2026). Ein halbes Jahr, in dem die Kosten nicht ausbleiben, sondern die Form wechseln. Wir nennen hier bewusst keine pauschalen Eurobeträge — jede Einrichtung rechnet anders —, aber die Posten sind überall dieselben, und sie lassen sich mit Ihren eigenen Zahlen in Minuten beziffern.

Erstens die Mehrarbeit im Bestandsteam. Die Dienste der fehlenden Kraft verschwinden nicht, sie wandern in Überstunden, Zuschläge und Einspringprämien — und in die Erschöpfung derer, die einspringen. Der teuerste Folgeschaden steht in keiner Lohnabrechnung: Wenn die Belastung das Team in die Kündigung treibt, wird aus einer Vakanz eine zweite.

Zweitens die Zeitarbeit. Sie überbrückt zuverlässig und kostet dafür ein Mehrfaches des eigenen Personalaufwands pro Stunde — dauerhaft eingesetzt ist sie die teuerste Form, eine Stelle nicht zu besetzen.

Drittens die Leistung selbst. In der stationären Pflege hängen Belegung und Personalschlüssel aneinander: Wer die Fachkraftquote nicht hält, kann im Zweifel Betten oder Touren nicht anbieten. Dann kostet die unbesetzte Stelle nicht Gehalt, sondern Umsatz — und zwar Monat für Monat, solange die Vakanz besteht.

Viertens die stillen Posten. Jede Vakanz bindet Leitungszeit: Dienstpläne umbauen, Bewerbungsgespräche führen, die zwanzigste Rückfrage der Anzeige beantworten. Dazu kommen Einarbeitungskosten, wenn zur Überbrückung ständig wechselnde Aushilfen durch die Wohnbereiche laufen, und ein Qualitätsrisiko, das sich erst im Prüfbericht oder in der Beschwerde zeigt. Keiner dieser Posten steht als eigene Zeile in der Buchhaltung — zusammengenommen sind sie oft größer als der sichtbarste, die Zeitarbeitsrechnung.

Warum mehr Suchaufwand das Problem nicht löst

An dieser Stelle lohnt ein nüchterner Blick auf die üblichen Reflexe. Die Anzeige auf mehr Portalen erhöht die Sichtbarkeit bei denselben 57. Die Wechselprämie verschiebt den Zeitpunkt, zu dem eine Kraft den Träger wechselt — nicht die Zahl der Kräfte. Der Personalberater beschleunigt die Umverteilung, gegen ein Honorar, das die Vakanzkosten um eine weitere Position ergänzt. Nichts davon ist falsch; es ist nur die Optimierung eines Spiels, dessen Summe feststeht.

Anzeige, Prämie, Personalberater — alle drei verteilen dieselben 57 verfügbaren Menschen pro 100 Stellen um. Einer von ihnen mag bei Ihnen unterschreiben; die Statistik gewinnt trotzdem, denn Ihre Besetzung ist die neue Vakanz eines anderen Trägers. Für die Branche insgesamt ist das ein Nullsummenspiel mit steigenden Prämien.

Den Markt vergrößern können nur zwei Wege. Der erste ist die internationale Rekrutierung examinierter Kräfte mit Anerkennung — dass sie längst Normalität ist, zeigen die Beschäftigtenzahlen: jede fünfte Pflegekraft hat heute einen ausländischen Pass. Der zweite ist die Ausbildung, ob im Inland oder mit Auszubildenden aus dem Ausland — der einzige Weg, der neue Fachkräfte erzeugt, statt vorhandene umzuverteilen. Was er kostet und was er zurückbringt, haben wir hier durchgerechnet.

Die Rechnung, die sich lohnt

Wie geht ein Träger nun praktisch vor? Der erste Schritt ist keine Anzeige, sondern eine Inventur: Welche Stellen sind wie lange offen, was kostet die Überbrückung je Monat tatsächlich, und welche der Vakanzen sind mit dem Inlandsmarkt realistisch besetzbar — etwa, weil eine Kraft aus der Elternzeit zurückkommt — und welche nicht? Diese Trennung ist der ganze Trick. Für die erste Gruppe lohnt der klassische Weg weiter. Für die zweite Gruppe ist jeder weitere Monat Inlandssuche eine Entscheidung für die teuerste aller Optionen: das Warten.

Setzen Sie Ihre eigenen Zahlen ein, es braucht nur drei: die monatlichen Mehrkosten der Überbrückung (Überstunden, Zuschläge, Zeitarbeit), die entgangenen Erlöse aus nicht belegbaren Betten oder nicht gefahrenen Touren, und die Zahl der Monate, die Ihre Stelle schon offen ist. Die Summe ist der Preis des Wartens.

Dagegen steht der Preis des Handelns. Eine internationale Rekrutierung läuft in sieben Schritten: Erstens die Bedarfsanalyse — Sie übermitteln Ihren Personalbedarf, die aktive Suche beginnt nach Vorliegen der vollständigen Bedarfsanalyse und des unterzeichneten Vermittlungsvertrages. Zweitens Kandidatensuche und Vorqualifizierung, etwa zwei bis vier Wochen. Drittens die Kandidatenvorstellung per Dokumentenmappe mit Video- oder Interviewoption. Viertens Dokumentensammlung und Legalisation. Fünftens das Behördenverfahren — die Arbeitserlaubnis dauert etwa sechs bis acht Wochen. Sechstens Visumverfahren und Flugbuchung, etwa vier Wochen. Siebtens Anreise, Anmeldung und Arbeitsaufnahme.

In der Pflege kommt das Anerkennungsverfahren hinzu, insgesamt sind es erfahrungsgemäß vier bis sechs Monate ab Vertrag. Das ist kein schneller Weg, und wer Ihnen 48 Stunden verspricht, verspricht zu viel. Aber es ist ein Weg mit einem Ende, während die Inlandssuche in diesem Markt keines hat. Wer den Preis des Wartens und den Preis des Handelns nebeneinanderlegt, trifft die Entscheidung meist von selbst.

Angaben zur Orientierung, keine Rechtsberatung. Zur Einordnung: Wir nennen in diesem Beitrag bewusst keine Erfolgszahlen aus eigener Vermittlung — was wir beschreiben, ist die Marktlage, nicht ein Ergebnis, das wir noch nicht vorweisen können.

Weiterlesen

Quellen

  • Bundesagentur für Arbeit: Blickpunkt Arbeitsmarkt — Arbeitsmarktsituation in Pflegeberufen. 2026. https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/Generische-Publikationen/Arbeitsmarktsituation-in-Pflegeberufen.pdf (abgerufen 27.08.2026)
  • Statistisches Bundesamt: Pressemitteilungen Nr. 231/2026 und Nr. 276/2025 — Pflegeausbildung: Anfängerinnen und Anfänger, Absolventinnen und Absolventen. Amtliche Pressemitteilungen (destatis.de).
  • Bundesagentur für Arbeit: Vakanzzeit von Arbeitsstellen nach Anforderungsniveau, April 2025 bis März 2026. (Statista-Aufbereitung, Projekt-Pool-Datei; keine frei zugängliche Einzel-URL verifiziert)

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